Kerzen Giessen für Anfänger: Schritt-für-Schritt Anleitung zum Selbermachen

Ob Vanilleschoten, ätherische Öle oder bunte Farben – beim Kerzen Giessen können wir unserer Kreativität freien Lauf lassen. Anders als gekaufte Kerzen aus dem Handel, die einen eingebauten Brennstopp haben, brennen selbstgemachte Kerzen bis zum letzten Rest.
Für eine klassische Kerze mit 100 ml Volumen brauchen wir etwa 100 Gramm Wachs. Das Schöne daran: Wenn wir unsere Kerzen selbst herstellen, wissen wir genau, was drin ist. Ob zur Weihnachtszeit, bei Hochzeiten, Geburtstagen oder einfach als alltäglicher Deko-Hingucker – selbstgegossene Kerzen sind ein zeitloser Klassiker.
In dieser Schritt-für-Schritt Anleitung zeigen wir dir alles, was du für deine ersten selbstgegossenen Kerzen wissen musst. Von der Auswahl der richtigen Materialien bis hin zu praktischen Tipps und Tricks – wir begleiten dich auf deinem Weg zum perfekten Kerzengiessen.
Die wichtigsten Materialien zum Kerzen giessen
Für das Kerzen Giessen brauchen wir nur wenige, aber entscheidende Materialien. Die richtige Auswahl dieser Grundzutaten bestimmt massgeblich über die Qualität und das Erscheinungsbild unserer selbstgemachten Kerzen. Mit dem passenden Wachs, dem richtigen Docht und einer geeigneten Form steht dem Kerzengiessen-Abenteuer nichts mehr im Weg. Zu Nachhaltige Produkte besuchen Sie folgende Seite: https://balthasar.ch/shop/selbermachen/kerzen-herstellen
Wachsarten im Überblick
Das Herzstück jeder Kerze ist das Wachs. Je nach Art des verwendeten Wachses unterscheiden sich Brenndauer, Duft und Umweltfreundlichkeit der fertigen Kerze.
Bei klassischen Kerzen wird oft eine Mischung aus 80% Paraffin- und 20% Stearinwachs verwendet. Diese Kombination bietet optimale Brenneigenschaften: Das Paraffin sorgt für die Brennbarkeit, während das Stearin ein ruhiges und geruchsarmes Abbrennen gewährleistet.
Wer nachhaltigere Alternativen bevorzugt, kann auf folgende Wachssorten zurückgreifen:
- Bienenwachs: Ein Naturprodukt mit honigähnlichem Duft. Es brennt langsamer ab und setzt keine Schadstoffe frei. Da die Ernte nur etwa 500-800 Gramm je Bienenvolk und Jahr beträgt, ist es entsprechend teurer.
- Sojawachs: Wird aus Sojabohnen-Öl hergestellt und gilt als umweltfreundliche Alternative. Es brennt sauberer und langsamer als Paraffin und bildet weniger Russ.
- Rapswachs: Ein beliebtes pflanzliches Wachs aus Rapsöl, das porzellanartig aussieht und sich leicht entformen lässt. Es brennt rückstandsfrei ab und ist klimafreundlich.
- Pflanzenwachs: Eine nachhaltige Alternative, die beispielsweise aus Raps gewonnen wird. Diese Option ist umweltfreundlicher als herkömmliches Paraffin.
Ausserdem können wir Wachsreste von alten Kerzen sammeln und wiederverwenden. Dabei sollten wir allerdings darauf achten, dass es sich möglichst um die gleiche Wachssorte handelt, um ein gleichmässiges Brennverhalten zu gewährleisten.
Den passenden Docht wählen
Die Wahl des richtigen Dochts ist entscheidend für die Brenndauer, Wachsverbrennung und Sicherheit unserer Kerze. Ein falsch gewählter Docht kann dazu führen, dass die Kerze russt, flackert oder ungleichmässig abbrennt.
Der Docht hat die wichtige Aufgabe, das flüssige Wachs zur Flamme zu transportieren. Durch die Hitze vergast das Wachs – dieses Gas brennt und bildet die Kerzenflamme. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen verschiedenen Dochtarten:
- Flachdocht: Universell einsetzbar für fast alle Wachsarten ausser Bienenwachs. Ein grosser Vorteil für Anfänger: Er hat keine Laufrichtung, kann also beliebig eingesetzt werden.
- Runddocht: Vielseitig verwendbar, hat jedoch eine Laufrichtung (es gibt ein oben und unten). Besonders geeignet für Bienenwachs.
- Stearindocht: Speziell für Stearin- und Rapswachskerzen entwickelt.
Für die Dochtdicke gilt als Faustregel: Je grösser der Durchmesser der Kerze, desto dicker sollte auch der Docht sein. Bei sehr grossen Kerzendurchmessern können wir auch mehrere Dochte einsetzen. Der Abstand zwischen den Dochten sollte dabei grösser sein als die Hälfte des beim Docht angegebenen maximalen Durchmessers.
Wir können Dochte auch selbst herstellen. Dafür brauchen wir nur einen dicken Baumwollfaden oder mehrere dünnere Baumwollfäden, die wir miteinander verflechten. Wichtig dabei: Die Fäden sollten aus reiner Baumwolle bestehen, ohne Kunststoffanteile wie Polyester, da ansonsten beim Verbrennen giftige Gase entstehen können.
Welche Formen sich für Anfänger eignen
Für Anfänger empfehle ich Formen, die einfach zu handhaben sind und eine problemlose Entnahme der fertigen Kerze ermöglichen. Folgende Optionen haben sich bewährt:
Gläser und BehälterAlte Einmachgläser, Tassen oder Becher eignen sich hervorragend für erste Giessversuche. Diese hitzebeständigen Gefässe müssen nicht entformt werden – die Kerze bleibt einfach im Glas. Vorratsgläser mit Kerzendochten vorbereitet und mit duftenden Wachsmischungen gefüllt machen sich auch gut als Geschenk.
SilikonformenSilikonformen bieten den Vorteil, dass sie flexibel sind und die Kerze nach dem Erkalten leicht herausgelöst werden kann. Ausserdem gibt es sie in vielen kreativen Designs, sodass wir detailreiche Musterkerzen herstellen können.
Einfache Zylinder- und KugelformenKerzengiessformen aus Hartplastik in einfachen Formen wie Zylinder oder Kugel sind ideal für Anfänger. Sie sind stabil und eignen sich gut für klassische Stumpen- oder Stabkerzen.
Improvisierte Formen Mit etwas Kreativität lassen sich sogar Toilettenpapierrollen zu einer Giessform umfunktionieren. Dafür stellen wir die Papprolle in ein mit Sand gefülltes Gefäss, bevor wir das Wachs hineingiessen.
Wichtig bei der Auswahl: Die Form muss hitzebeständig sein, um dem heissen Wachs standzuhalten. Für Bienenwachs eignen sich besonders stark konische Formen wie Kegel oder Pyramiden sowie zweiteilige Formen oder solche aus flexiblem Silikon, da diese das Entformen erleichtern.
Mit diesen grundlegenden Materialien sind wir bestens ausgestattet, um unsere ersten Kerzen zu giessen. Im nächsten Abschnitt erfahren wir, wie wir unseren Arbeitsplatz vorbereiten und sicher mit heissem Wachs umgehen.
Vorbereitung: Arbeitsplatz und Sicherheit
Bevor die kreative Phase des Kerzen Giessens beginnen kann, müssen wir unseren Arbeitsplatz richtig vorbereiten. Sicherheit steht dabei an erster Stelle, denn wir arbeiten mit heissem Wachs, das nicht nur Verbrennungen verursachen, sondern auch eine Brandgefahr darstellen kann.
Arbeitsfläche richtig abdecken
Eine sorgfältig vorbereitete Arbeitsfläche ist die Grundlage für ein sicheres und erfolgreiches Kerzen Giessen. Zunächst sollten wir unseren Arbeitsbereich mit unbeschichtetem Karton auslegen. Der grosse Vorteil: Falls beim Kerzengiessen etwas daneben geht, wird das Wachs gleich aufgesaugt. Alternativ können wir die Fläche mit alten Zeitungen abdecken.
Vor dem Start sollten folgende Utensilien bereitliegen:
- Grosser Topf für das Wasserbad
- Kleiner Topf oder Behälter als Wachsbehälter
- Kerzenformen
- Dochte
- Wachs
- Holzspiess oder Stricknadel
- Schere
Es ist wichtig, vor dem Giessen der Kerzen die Arbeitsfläche komplett abzudecken und eine Schürze zu tragen. Besonders wichtig für Anfänger beim Kerzen Giessen: Die Küche eignet sich zwar gut als Arbeitsplatz, allerdings müssen wir sicherstellen, dass alle Arbeitsflächen gut geschützt sind.
Ausserdem sollten wir darauf achten, dass der Arbeitsbereich frei von brennbaren Materialien wie Papier, Stoff oder Plastik ist. Verwenden wir nach Möglichkeit hitzebeständige Unterlagen wie Silikonmatten, um unsere Möbel zusätzlich vor heissem Wachs zu schützen.
Die zweithäufigste Ursache für Brände in Wohngebäuden ist übrigens offenes Feuer, daher müssen wir besondere Vorsicht walten lassen. Ein aufgeräumter Arbeitsplatz minimiert das Risiko von Unfällen beim Kerzen Giessen erheblich.
Sicherer Umgang mit heissem Wachs
Beim Schmelzen von Wachs ist äusserste Vorsicht geboten. Am sichersten ist es, wenn wir Kerzenwachs immer in einem Wasserbad verflüssigen. Dies bedeutet konkret: Wir füllen einen Kochtopf etwa 5 cm mit Wasser, bringen dieses zum leichten Köcheln und stellen ein zweites Gefäss mit dem Wachs dort hinein.
Folgende Sicherheitsmassnahmen sind beim Kerzen Giessen unbedingt zu beachten:
- Wachs niemals direkt auf dem Herd oder über offener Flamme schmelzen – dies ist brandgefährlich
- Wachsdampf kann sich ab 180 °C selbst entzünden
- Heisses Wachs nie unbeaufsichtigt lassen, vor allem wenn Kinder im Haushalt leben
- Die Wachstemperatur stets mit einem Thermometer kontrollieren
- Die ideale Arbeitstemperatur für die Verarbeitung liegt bei 80 Grad
Zum Anfassen des heissen Schmelzgefässes sollten alte Topflappen bereitliegen. Praktisch sind hierfür auch Holzwäscheklammern. Falls wir mit Kindern zusammen Kerzen giessen möchten, dürfen sie nur unter Aufsicht Erwachsener am Prozess teilnehmen.
Im Fall eines Wachsbrandes gilt: Brennendes Wachs niemals mit Wasser löschen! Der Versuch, brennendes Wachs mit Wasser zu löschen, kann zu einem kubikmetergrossen Feuerball führen. Stattdessen sollten wir den Brand mit einem passenden Deckel oder einer Löschdecke ersticken.
Wachs ist generell brennbar, besonders bei hohen Temperaturen. Offene Flammen oder Funken können das Wachs entzünden. Darüber hinaus sollten wir auf Rutschgefahr achten – Wachsflecken auf Böden oder Arbeitsflächen können gefährliche Rutschstellen verursachen.
Geschmolzenes Wachs kann sehr heiss werden und bei Hautkontakt schwere Verbrennungen verursachen. Zudem kann heisses Wachs weit spritzen und Verbrennungen an Haut und Augen verursachen. Daher empfiehlt es sich, eng anliegende Kleidung zu tragen und Handschuhe aus hitzebeständigem Material zu verwenden.
Bei ausreichender Vorbereitung und Beachtung der Sicherheitshinweise steht dem Spass am Kerzen Giessen nichts im Weg. Im nächsten Abschnitt widmen wir uns dem eigentlichen Herstellungsprozess Schritt für Schritt.
Kerzen giessen Schritt für Schritt
Jetzt geht es an den spannendsten Teil: das eigentliche Kerzen Giessen! Nachdem wir alle Materialien vorbereitet und unseren Arbeitsplatz abgesichert haben, können wir mit dem schrittweisen Prozess beginnen. Mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen entstehen schon bald unsere ersten selbstgemachten Kerzen.
Wachs im Wasserbad schmelzen
Das Schmelzen des Wachses im Wasserbad ist die sicherste Methode, um Unfälle zu vermeiden. Hierfür benötigen wir zwei Töpfe unterschiedlicher Grösse:
- Einen grossen Topf, den wir etwa 5 cm hoch mit Wasser füllen
- Einen kleineren Behälter für das Wachs, der in den Wassertopf gestellt wird
Die Wasserbad-Methode bietet mehrere Vorteile: Sie verhindert, dass das Wachs zu heiss wird, und sorgt für ein gleichmässiges Schmelzen. Zudem wird vermieden, dass mögliche Verunreinigungen am Topfboden anbrennen.
Je nach Wachsart gelten unterschiedliche Schmelztemperaturen:
- Paraffinwachs: 50-60°C
- Sojawachs: 76-82°C
- Pflanzenwachs: 47-49°C
- Gelwachs: 94-104°C
Während des Schmelzens sollten wir das Wachs gelegentlich umrühren, damit sich Klumpen besser auflösen und eine gleichmässige Masse entsteht. Mit einem Wachsthermometer behalten wir die Temperatur stets im Blick – denn überhitztes Wachs kann gefährlich werden.
Expertentipp: Ein spezieller Wachsschmelztopf mit Doppelwand eignet sich besonders gut für diesen Prozess. Das Wasser im Doppelmantel beginnt zu verdampfen, bevor das Wachs zu heiss werden kann, was zusätzliche Sicherheit bietet.
Docht in der Form fixieren
Der richtig platzierte Docht ist entscheidend für das gleichmässige Abbrennen unserer Kerze. Daher sollten wir besondere Sorgfalt auf seine Befestigung verwenden.
Für Glaskerzen empfehle ich Dochtaufkleber. Diese kleinen Klebepunkte befestigen den Docht am Boden des Glases und verhindern, dass er beim Eingiessen des Wachses verrutscht. Alternativ können wir einen Dochtfuss verwenden, den wir mit etwas geschmolzenem Wachs am Boden fixieren.
Für die Zentrierung des Dochts gibt es mehrere bewährte Methoden:
- Dochtzentrierwerkzeuge, die über den Behälterrand gelegt werden
- Holzspiesse oder Essstäbchen, zwischen denen der Docht gespannt wird
- Wäscheklammern, die den Docht sanft festhalten
Bei offenen Formen wie Klopapierrollen können wir die Form in eine Schüssel mit Sand stellen, um den Boden abzudichten. Bei Konservendosen lässt sich ein Loch bohren, durch das wir den Docht ziehen und anschliessend mit Kerzenknete verschliessen.
Wachs vorsichtig eingiessen
Sobald das Wachs vollständig geschmolzen ist und der Docht sicher fixiert wurde, können wir mit dem Giessen beginnen. Idealerweise verwenden wir einen Topf oder eine Kelle mit Ausgiesser für einen kontrollierten Guss.
Beim Eingiessen sollten wir folgende Faktoren beachten:
- Je heisser das Wachs, desto glatter wird später die Kerzenoberfläche. Allerdings vertragen nicht alle Formen Temperaturen über 80°C.
- Das flüssige Wachs sollten wir möglichst zügig und ohne grosse Pausen zwischen den einzelnen Giessvorgängen einfüllen.
- Um zu verhindern, dass Wachs an die Seiten der Gläser tropft, können wir Papiertücher verwenden.
- Die Gläser sollten nicht vollständig gefüllt werden – etwas Platz für eventuelles Nachgiessen lassen.
Wichtig: Langsam und gleichmässig giessen und dabei den Docht im Auge behalten. Zu schnelles Eingiessen kann dazu führen, dass der Docht aus seiner Position gerät.
Trocknungszeit beachten
Nach dem Giessen beginnt die Phase des Abkühlens und Trocknens. Die Trocknungszeit variiert je nach Wachsart erheblich:
- Sojawachs: 24-48 Stunden, mindestens 5 Stunden
- Rapswachs: ca. 12 Stunden
- Bienenwachs: 12-24 Stunden
- Paraffinwachs: wenige Stunden
Beim Erkalten bildet sich oben an der Kerze typischerweise ein Krater (Einzug). Daher ist es notwendig, mindestens einmal heiss nachzugiessen. Dies muss vor dem völligen Erkalten geschehen, da sich sonst die zwei Wachsschichten nicht mehr richtig verbinden. Nach etwa 30 Minuten können wir überprüfen, wie das Wachs aushärtet, und dann das restliche Wachs zum Auffüllen möglicher Löcher erwärmen.
Für optimale Ergebnisse sollten wir die Kerzen an einem ruhigen Ort bei Raumtemperatur trocknen lassen und Zugluft vermeiden, da diese zu Rissen führen kann. Wenn die Kerze vollständig ausgehärtet ist, können wir den überstehenden Docht auf etwa 1 cm Länge kürzen.

Kerzen giessen in Gläsern und Silikonformen
Nach dem Erlernen der grundlegenden Techniken möchte ich zwei besonders beliebte Methoden für das Kerzen Giessen genauer betrachten: Gläser und Silikonformen. Beide bieten einzigartige Vorteile und eignen sich hervorragend für Anfänger.
Vorteile von Gläsern als Giessform
Kerzen in Gläsern zu giessen ist nicht nur einfach, sondern erzeugt zudem einen eleganten und modernen Look. Im Gegensatz zu herkömmlichen Formen bieten Glasgefässe mehrere praktische Vorteile:
Zunächst schafft das Kerzenlicht im Glas eine besonders schöne Atmosphäre, da das Glas das Licht wunderbar reflektiert und verstärkt. Die Transparenz des Glases lässt die Kerzenflamme ungehindert durchscheinen, was für eine optimale Lichtausbeute sorgt.
Darüber hinaus sind Glaskerzen äusserst praktisch in der Handhabung. Die grösste Erleichterung: Das Entformen entfällt komplett, da die Kerze im Glas verbleibt und dort abbrennt. Dies macht Glaskerzen zur idealen Wahl für alle, die den Prozess so unkompliziert wie möglich halten möchten.
Für Glaskerzen kann ich verschiedenste Behälter verwenden:
- Alte Marmeladengläser und Einmachgläser
- Lieblingstassen mit kleinen Sprüngen (Upcycling)
- Kleine Vasen oder dekorative Glasbehälter
- Nutella- oder andere Vorratsgläser
Ausserdem reduziert das Giessen in Gläsern die Reinigungsarbeit erheblich, da kein Wachs verschüttet wird und keine Unordnung entsteht. Das Glas fängt alles sauber auf und verhindert, dass Wachsreste auf Tische oder Arbeitsflächen tropfen.
Nach dem Verbrauch der Kerze kann ich das leere Glas einfach wiederverwenden – entweder für eine neue Kerze oder für andere Aufbewahrungszwecke. Diese Nachhaltigkeit macht Glaskerzen zu einer umweltfreundlichen Alternative.
Silikonformen richtig verwenden
Silikonformen eröffnen mir als Kerzen-Giesser völlig neue kreative Möglichkeiten. Dank ihrer Flexibilität ermöglichen sie die Herstellung von Kerzen in nahezu jeder erdenklichen Form und mit detailgetreuen Mustern.
Um mit Silikonformen erfolgreich zu arbeiten, sollte ich zunächst alle Materialien vorbereiten: Wachs, Docht, Farbe, die Silikonform selbst und einen Kochtopf für das Wasserbad. Nachdem ich das Wachs im Wasserbad geschmolzen habe, folgt der wichtigste Schritt: die korrekte Dochtplatzierung.
Da Silikonformen im Gegensatz zu Hartplastikformen meist keine vorgefertigte Dochtführung haben, muss ich selbst für die richtige Positionierung sorgen. Hierfür gibt es zwei bewährte Methoden:
Methode 1: Docht vor dem Giessen einsetzen Mit einer Nadel steche ich ein Loch mittig in die Unterseite der Form. Dann fädele ich den Docht mit einer dicken Nadel oder einer dünnen Häkelnadel durch dieses Loch und fixiere ihn während des Giessvorgangs in der Mitte.
Methode 2: Docht nach dem Aushärten einführen Alternativ kann ich den Wachs zuerst in die Form giessen und erst nach dem vollständigen Erkalten den Docht einsetzen.
Das Entformen gestaltet sich dank der Elastizität des Silikons sehr einfach: Nach dem vollständigen Aushärten kann ich die Kerze vorsichtig aus der Form lösen, indem ich die Ränder leicht dehne und die Kerze herausdrücke. Dabei bewahrt die Elastizität die Detailgenauigkeit und sorgt dafür, dass selbst filigrane Muster erkennbar bleiben.
Für die Pflege und Langlebigkeit meiner Silikonformen ist die richtige Reinigung entscheidend. Nach jedem Gebrauch entferne ich alle Wachsreste vorsichtig und spüle die Form bei Bedarf unter warmem Wasser ab. Für die Lagerung sollte ich die Formen flach und ohne schwere Gegenstände darauf aufbewahren, um Verformungen zu vermeiden.
Schliesslich sollte ich beachten, dass Silikonformen hitzebeständig sind – dies erlaubt mir, heisses Wachs gefahrlos einzugiessen und macht das Kerzen Giessen noch sicherer und angenehmer.
Häufige Fehler vermeiden beim Kerzen giessen
Trotz sorgfältiger Vorbereitung können beim Kerzen Giessen einige typische Probleme auftreten. Mit den richtigen Kniffen vermeiden wir diese Schwierigkeiten und erzielen professionelle Ergebnisse. Erfahren wir gemeinsam, wie wir die häufigsten Fallstricke umgehen können.
Kraterbildung verhindern
Die Kraterbildung zählt zu den frustrierendsten Problemen beim Kerzen Giessen. Diese unschönen Vertiefungen entstehen, weil Wachs beim Erkalten von aussen nach innen aushärtet und sich dabei zusammenzieht. Folgende Massnahmen helfen, dieses Problem zu minimieren:
- Giesstemperatur beachten: Das Wachs sollte auf die richtige Temperatur erhitzt und bei der empfohlenen Temperatur gegossen werden. Zu heisses oder zu kaltes Wachs führt häufig zu Kratern.
- Langsames Abkühlen: Je langsamer die Kerze abkühlt, desto kleiner wird am Ende der Krater. Um den Abkühlungsprozess zu verlangsamen, kann man die Behälter wärmedämmen, beispielsweise durch Einpacken in Styroporplatten.
- Lagenweise giessen: Anstatt die gesamte Form auf einmal zu füllen, empfiehlt es sich, die Kerze schichtweise zu giessen. Jede neue Schicht sollte gegossen werden, bevor die vorherige vollständig erkaltet ist.
- Nachgiessen: Wenn sich nach dem Erstarren dennoch ein Krater bildet, kann man vorsichtig etwas Wachs nachgiessen, um die Oberfläche auszugleichen. Hierbei in die noch nicht ganz erkaltete untere Schicht ein kleines Loch machen und erst dann auffüllen.
- Heissluftföhn verwenden: Kleinere Krater lassen sich mit einem Heissluftföhn vorsichtig glätten, indem die Oberfläche leicht angeschmolzen wird.
Für eine optimale Kerze sollte die Raumtemperatur während des Aushärtens bei etwa 22-24°C liegen. Zudem sollten Zugluft und vor allem Kälte vermieden werden, da diese ebenfalls zur Kraterbildung beitragen können.
Docht verrutscht – was tun?
Ein verrutschter Docht führt zu ungleichmässigem Abbrennen und kann die Kerze unbrauchbar machen. Hier einige Lösungsansätze:
Zunächst ist die richtige Dochtwahl entscheidend. Bei Runddochten ist beispielsweise die Laufrichtung zu beachten. Die Dochtfasern müssen auf der flachen Seite V-förmig nach unten zeigen, sonst kann sich beim Abbrennen eine sogenannte “Rose” bilden. Am besten knüpfen wir beim Abschneiden des Dochtes gleich wieder eine Schlaufe – so bildet diese immer die Kerzenspitze.
Für die sichere Befestigung des Dochts gibt es verschiedene Methoden:
- Dochthalter oder spezielle Dochtfüsse
- Holzspiesse oder Stricknadeln als Stütze
- Wäscheklammern für die vorübergehende Fixierung
Falls der Docht dennoch während des Giessens verrutscht, können wir mit einer langen Pinzette vorsichtig eingreifen und ihn wieder in die richtige Position bringen. Dies muss allerdings geschehen, solange das Wachs noch flüssig ist.
Bei bereits erkalteten Kerzen mit falsch positioniertem Docht besteht die Möglichkeit, die Kerze erneut einzuschmelzen. Bei Kerzen in Behältern empfiehlt sich hierfür ein heisses Wasserbad oder der Backofen, bei Formkerzen das normale Wasserbad. Anschliessend kann der Docht neu positioniert werden.

Wachsreste richtig filtern
Sauberes Wachs ist die Grundlage für gleichmässig brennende Kerzen ohne Russ und Flackern. Kerzen aus schmutzigem Wachs brennen unruhig ab, daher muss das Wachs gut geklärt und gereinigt werden.
Für die richtige Filterung empfehle ich folgende Schritte:
Das Wachs sollte mehrmals verflüssigt und langsam abkühlen gelassen werden. Nach dem Schmelzen sollte es sehr langsam abkühlen, damit Schwebeteilchen Zeit haben, sich unten abzusetzen. Die Wachs-Schicht härtet dann oben aus und der unten abgesetzte Schmutz lässt sich vom Wachsblock leicht abkratzen.
Für die grobe Klärung eignen sich Damenstrumpfhosen oder Gartenvliese als Filter. Das flüssige Wachs wird durch diese in einen weiteren Topf mit heissem Wasser geleitet. Das heisse Wasser verhindert das sofortige Abkühlen des Wachses und sollte mit einem Deckel abgedeckt werden.
Selbst wenn das Wachs gelb und sauber wirkt, kann es immer noch kleine Schmutzteilchen enthalten. Diese können mit Zitronensäure gebunden werden, wodurch sich Schmutzreste unten im Wasser sammeln.
Pollen- und Propolisreste in unreinem Wachs lassen die Flamme flackern und russen, weshalb gründliches Filtern besonders für Kerzen wichtig ist. Für Mittelwände reicht es hingegen, wenn das Wachs nur grob gefiltert wurde.
Mit diesen Tipps umgehen wir die häufigsten Probleme beim Kerzen Giessen und stellen sicher, dass unsere selbstgemachten Kerzen nicht nur gut aussehen, sondern auch gleichmässig und russfrei abbrennen.
Kerzen individuell gestalten
Die wahre Freude beim Kerzen Giessen entfaltet sich erst durch die individuelle Gestaltung. Nach dem Erlernen der Grundtechniken können wir unsere Kerzen durch Farben, Düfte und kreative Schichtungen in einzigartige Kunstwerke verwandeln. Ein Beispiel können Sie hier lesen: https://www.livelifegreen.de/diy-kerzen-individuell-gestalten-mit-papier-servietten-geschenkidee-zu-weihnachten/
Farbe und Duft hinzufügen
Um meinen selbstgemachten Kerzen eine persönliche Note zu verleihen, habe ich verschiedene Farbmöglichkeiten zur Auswahl. Zunächst kann ich dem flüssigen Wachs spezielle Farbkörner beimischen, die das Wachs gleichmässig einfärben. Alternativ funktionieren fettlösliche Farben hervorragend, wobei hier eine Dosierung von 1 bis 2 g pro Kilogramm Wachs ausreicht.
Bei der Farbwahl lohnt es sich, auf stimmige Kombinationen mit den Düften zu achten:
- Ein sanfter Gelbton passt perfekt zu Vanilleduft
- Zarte Lilatöne harmonieren wunderbar mit Lavendel
- Dunkles Rot erzeugt eine weihnachtliche Atmosphäre
Für die Duftgebung stehen mir mehrere Optionen zur Verfügung. Besonders beliebt sind hochwertige ätherische Öle, wobei hier wenige Tropfen bereits ausreichen. Für Duftkerzen im Glas empfehle ich eine Dosierung von etwa 6%, was einem Fläschchen Duftöl pro Packung Raps-Kokoswachs entspricht. Allerdings sollte ich beim Umgang mit reinen Duftstoffen Handschuhe und eine Schutzbrille tragen, da diese als Gefahrenstoffe gelten.
Darüber hinaus kann ich natürliche Duftelemente verwenden:
- Gewürze wie Zimt oder Lebkuchengewürz
- Das Mark von Vanilleschoten
- Rosen- oder Lavendelblüten
- Getrocknete Orangenschalen oder Teesorten
Beim Einrühren des Duftstoffs gilt: Langsam mit einem Holzstäbchen umrühren, zuerst im und danach gegen den Uhrzeigersinn, um eine optimale Verteilung zu gewährleisten.
Mehrfarbige Schichten giessen
Besonders reizvoll sind mehrfarbige Kerzen mit übereinander liegenden Farbschichten. Der Trick hierbei liegt im richtigen Timing: Jede einzelne Farbschicht muss zunächst leicht antrocknen, bevor ich die nächste Schicht eingiessen kann. Ist die erste Schicht noch zu weich, vermischen sich die Farben; ist sie hingegen zu fest, verbinden sich die Schichten nicht richtig miteinander.
Beim Schichtengiessen gehe ich folgendermassen vor: Nachdem die erste Farbschicht leicht angehärtet ist (sie sollte druckfest, aber noch warm sein), giesse ich die nächste Farbschicht vorsichtig darüber. Für besonders gleichmässige Ergebnisse sollte ich die Raumtemperatur konstant halten.
Ein häufiges Phänomen: Nach dem Erkalten zieht sich das Wachs zusammen und bildet kleine Kuhlen. Diese kann ich einfach mit etwas flüssigem Wachs derselben oder einer neuen Farbe auffüllen.
Schliesslich verleihe ich meinen Kerzen den letzten Schliff durch dekorative Elemente. Hier bieten sich Schleifenbänder, selbst gestaltete Etiketten oder natürliche Materialien wie Zimtstangen und getrocknete Blüten an, die ich aussen am Glas befestige. Bei Glaskerzen schafft die individuelle Dekoration mit persönlichen Details wie kleinen Fotos oder hübschen Bändern einen besonderen Charme.
Schlussfolgerung
Kerzen Giessen bietet uns endlose kreative Möglichkeiten, unsere eigenen Wohnräume mit selbstgemachten Lichtern zu verschönern. Nachdem wir die grundlegenden Techniken beherrschen, können wir zwischen verschiedenen Wachsarten wählen und unsere Kerzen mit Farben und Düften individuell gestalten.
Besonders wichtig bleibt dabei die Sicherheit – geschmolzenes Wachs erfordert stets unsere volle Aufmerksamkeit. Mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung vermeiden wir nicht nur Unfälle, sondern auch häufige Fehler wie Kraterbildung oder verrutschte Dochte.
Die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten macht jede selbstgegossene Kerze zu einem einzigartigen Kunstwerk. Ob klassische Stumpenkerzen, dekorative Glaskerzen oder filigrane Designs aus Silikonformen – wir können unserer Kreativität freien Lauf lassen.
Mit etwas Übung und Geduld werden unsere Kerzen immer besser. Dabei sollten wir uns von anfänglichen Misserfolgen nicht entmutigen lassen. Schliesslich macht gerade das Experimentieren mit verschiedenen Techniken, Farben und Düften das Kerzen Giessen zu einem faszinierenden Hobby.
FAQs
Q1. Welche Materialien benötige ich für das Kerzen Giessen? Für das Kerzen Giessen benötigen Sie Wachs (z.B. Paraffin, Soja oder Bienenwachs), Dochte, Formen oder Gläser, einen Topf zum Schmelzen des Wachses und optional Farbstoffe und Duftstoffe.
Q2. Wie verhindere ich Kraterbildung beim Kerzen Giessen? Um Kraterbildung zu vermeiden, giessen Sie das Wachs bei der richtigen Temperatur, lassen Sie die Kerze langsam abkühlen, giessen Sie in Schichten und füllen Sie bei Bedarf nach. Ein Heissluftföhn kann kleinere Krater glätten.
Q3. Wie fixiere ich den Docht richtig in der Kerzenform? Verwenden Sie Dochthalter oder -füsse, um den Docht am Boden zu fixieren. Holzspiesse oder Wäscheklammern können den Docht während des Giessens zentriert halten. Bei Glaskerzen eignen sich auch Dochtaufkleber.
Q4. Wie kann ich meine Kerzen individuell gestalten? Sie können Ihre Kerzen individuell gestalten, indem Sie Farbstoffe und Duftstoffe hinzufügen, mehrfarbige Schichten giessen oder natürliche Elemente wie getrocknete Blüten oder Gewürze einarbeiten. Auch die Dekoration der Aussenseite mit Bändern oder Etiketten ist möglich.
Q5. Welche Sicherheitsmassnahmen sind beim Kerzen Giessen wichtig? Wichtige Sicherheitsmassnahmen beim Kerzen Giessen sind: Wachs im Wasserbad schmelzen, nie unbeaufsichtigt lassen, die Temperatur mit einem Thermometer kontrollieren, Schutzkleidung tragen und den Arbeitsbereich frei von brennbaren Materialien halten. Im Brandfall niemals mit Wasser löschen.